Die Kunst der richtigen Worte: Der Tod von Osama bin Laden

Bundesaußenminister Guido Westerwelle begrüßt den Tod des al-Qaida-Chefs Osama bin Laden und die Kanzlerin teilt der Presse mit, dass sie sich freue, dass es gelungen sei ihn zu töten. Worte, die vertstörten, wenngleich sie einem Top-Terroristen galten. Worte, die nun auch die Frage aufwerfen, wie viel Ethik politische Kommunikation beinhalten sollte.

 

 

Die einleitenden Worte der Bundeskanzlerin waren diplomatisch und konkret:

 

Meine Damen und Herren, unseren amerikanischen Freunden ist heute Nacht mit der Tötung von Osama bin Laden ein wichtiger Schlag gegen den internationalen Terrorismus gelungen. Ich habe dem amerikanischen Präsidenten Barack Obama meinen und unseren Respekt für diesen Erfolg und für diese gelungene Kommandoaktion mitgeteilt.

Erst nach ihrer Stellungnahme und auf die Frage eines Journalisten, ob auch deutsche Sicherheitskräfte in der Lage sein sollten, auf diese Weise gegen Terrorhäupter vorzugehen, ließ sich Angela Merkel zu der nun kritisierten Äußerung hinreißen – nicht ohne, so der Eindruck, sich kurzzeitig der Brisanz ihrer Worte bewusst zu werden:

Ich bin heute erst einmal hier, um zu sagen: Ich freue mich darüber, dass es gelungen ist, bin Laden zu töten. Ich glaube, dass es vor allen Dingen für die Menschen in Amerika, aber auch für uns in Deutschland eine Nachricht ist, dass einer der Köpfe des internationalen Terrorismus, der so viele Menschen schon das Leben gekostet hat, gefasst bzw. getötet wurde und damit auch nicht mehr weiter tätig sein kann. Das ist das, was jetzt für mich zählt.

Gerade die zweite Aussage der Kanzlerin ist es, die irritiert. Sie wirft die Frage auf, wie viel Ethik in der politischen Kommunikation, in Regierungsstatements nötig ist. – Oder aber die unglückliche Formulierung war ein ganz persönlicher Fauxpas, wie er Bundeskanzlerin schon in der Vergangenheit passiert ist. Und nun eben in einer Situation in der sie krampfhaft versucht eben genau die richtigen Worte zu wählen.

Nun mag sich zurecht die Frage stellen, welche Bedeutung einem solch kurzen Statement zukommt. National ist es wohl nicht besonders wichtig – ein Richter, der dort den Tatbestand der öffentlichen Billigung eines vorsätzlichen Tötungsdeliktes erkannte und die Kanzlerin anzeigte, fällt hier kaum ins Gewicht. International hat die Aussage Merkels ungleich mehr Gewicht, ist sie doch diplomatische Unterstützung für Barack Obama. Jedoch bleibt eine Frage offen: Wie wirken ihre Worte in der islamischen Welt? Könnten sie nicht ähnlich provozieren, wie die Bilder jubelnder Menschen vor dem Weißen Haus in Washington oder dem Ground Zero in New York? Sind diese Fragen Grund genug in einer Stellungnahme andere Worte zur Tötung von Osama bin Laden zu wählen?

Sicher ist, – und das dürfte der Kanzlerin in diesen Tagen noch einmal sehr deutlich geworden sein – dass die Wahl der Worte jenseits vorgeschriebener Rede-Beiträge und Presse-Erklärungen ebenso wichtig sind und mit Bedacht gewählt werden müssen.

Diskutieren Sie mit. Wie glatt ist das diplomatische Parkett bei diesem Thema? Hätte man die Liquidierung des Top-Terroristen überhaupt angemessen kommunizieren können?

Artikelbild: Alexander Hauk  / pixelio.de

3 Kommentare

  1. Meiner Meinung nach war unsere Bundeskanzlerin mit dieser Meldung, mit diesem Ereignis und mit dem ganzen drum herum, was wir Otto-Normalverbraucher nicht mitbekommen, ein klein wenig überfordert bzw. irgendwie kommt es mir vor, als ob keine Zeit zum nachdenken vorhanden war. Klar, in solch einer Position usw. –bla bla- aber ich persönlich würde es nicht an die große Glocke hängen (:

  2. Hallo Torinoko,

    vielen Dank für Deinen Kommentar. 🙂

    Ich finde auch, dass der Kanzlerin die Anstrengung anzumerken war. Nichtsdestotrotz muss so ein Statement natürlich trotzdem sitzen. Bei wem sonst, wenn nicht bei ihr? Wie Du sagst: Die Position macht´s… – da ist „große Glocke“ eben schnell bei der Hand. 😉

  3. Super Post! Ich werde da nochmal versuchen mehr zu erfahren!

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